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Kollegen im Gespräch zum Thema Vereinbarkeit im Büro
Newsbeitrag

Job und Pflege vereinbaren? Wie Unternehmen helfen können – und warum das wichtig ist

10.07.2026

Ein spontanes Meeting, obwohl der Angehörige mit Demenz schon viel zu lange allein zu Hause ist. Schichtdienst, der sich kaum mit Arztterminen vereinbaren lässt. Berufstätige, die einen Angehörigen pflegen, haben viele Herausforderungen. Unternehmen können und sollten Teil der Lösung sein. Unsere Interviewpartnerin erklärt, warum sich das für alle lohnt und warum es wichtig ist, im Austausch zu sein.

Gabi Stark ist Personalreferentin bei der Sparkasse Kraichgau und Ansprechpartnerin für Mitarbeitende in Pflegesituationen. Für sie ein Herzensthema, nicht zuletzt auch wegen ihres ehrenamtlichen Engagements. Sie arbeitet im Hospiz und bietet Letzte-Hilfe-Kurse an, in denen es um die Begleitung von Menschen am Lebensende geht. In ihrem Berufsalltag sieht sie immer wieder, warum die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege – besonders auch im Kontext Demenz – ein wichtiges Zukunftsthema ist. Die Sparkasse Kraichgau hat dies erkannt und will Mitarbeitenden in Pflegesituationen unterstützen.

So haben etwa die Desideria Gründerinnen Désirée von Bohlen und Halbach und Anja Kälin die Belegschaft in einem Vortrag über Demenz, Pflege und hilfreiche Entlastungsmöglichkeiten im Berufsalltag informiert.

Falls Sie ebenfalls Interesse an unseren Vorträgen, Coachings und Workshops zum Thema Vereinbarkeit haben, informieren Sie sich gerne hier über unsere Angebote oder kontaktieren Sie uns jederzeit auch gerne direkt.

 

Liebe Frau Stark, wie sind Sie darauf gekommen, das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Ihrem Unternehmen anzugehen?

Durch mein ehrenamtliches Engagement und mehrere Pflegesituationen in meiner eigenen Familie, auch im Bereich Demenz, habe ich persönlich erfahren, wie herausfordernd es ist, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen. Als Personalreferentin weiß ich, welche Auswirkungen diese Doppelbelastung auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation haben kann. Deshalb bin ich überzeugt: Arbeitgeber sollten nicht erst reagieren, wenn Mitarbeitende ausfallen oder ein Betriebliches Eingliederungsmanagement erforderlich wird. Gute Unterstützung beginnt viel früher.

Vereinbarkeit bedeutet heutzutage nicht nur, die Kinderbetreuung sicherzustellen. Das Thema Pflege holt die Kinderbetreuung in rasanten Schritten ein, einfach auf Grund der Demografie. Deshalb müssen wir uns auch fragen: Wie können wir Mitarbeitende unterstützen, die eine Pflegesituation zu Hause haben. 
 

Und ein erster Schritt in diese Richtung war der Vortrag zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege unserer Gründerinnen, Anja Kälin und Désirée von Bohlen und Halbach. Wie war denn die Reaktion darauf? 

Die Resonanz war durchweg positiv. Viele Teilnehmende haben zurückgemeldet, wie wichtig es ist, dem Thema Pflege und Demenz eine Plattform zu geben. Denn Pflege beginnt nicht erst nach Feierabend – sie begleitet Betroffene rund um die Uhr. Diese Realität sollten Arbeitgeber stärker in den Blick nehmen. 

Der Vortrag von Frau von Bohlen und Halbach sowie Frau Kälin wurde sehr gut aufgenommen. Er hat eindrucksvoll gezeigt, was eine Demenzerkrankung für die Betroffenen und ihr gesamtes Umfeld bedeutet. Das gezeigte Interesse bestätigt uns: Im November bieten wir deshalb einen weiteren Vortrag an, für den es bereits etliche Anmeldungen gibt.
 

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, die Sie bei Ihren Mitarbeitenden spüren, die Angehörige begleiten? 

Der Zeitfaktor ist zentral. Manchmal ist es so, dass der Tag schlichtweg zu wenige Stunden hat. Viele Mitarbeitende sagen: „Ich weiß einfach nicht mehr, wie ich alles schaffen soll.“ Dann schauen wir gemeinsam, wo genau die Belastung entsteht und welche Stellschrauben wir drehen können. 

Manchmal reichen schon kleine Anpassungen. Bei einer Mitarbeiterin war es eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit um zwei Stunden pro Woche – und genau das hat ihr spürbare Entlastung gebracht. 

Natürlich sind die Möglichkeiten je nach Tätigkeit unterschiedlich. Im Filialgeschäft mit viel Kundenkontakt ist die Flexibilität begrenzter. Hier geht es dann darum, individuelle Lösungen zu finden, die den Mitarbeitenden in ihrer jeweiligen Situation wirklich helfen.
  

Würden Sie auf Basis Ihrer Erfahrungen dazu raten, offen mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege umzugehen und als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter zum Beispiel die Personalabteilung darauf anzusprechen?

Es ist so, dass manche Menschen offen über ihre Pflegesituation sprechen, andere möchten sie lieber für sich behalten. Beides ist verständlich. 

Ich ermutige dennoch dazu, das persönliche Umfeld einzubeziehen – Kolleginnen und Kollegen, Führungskräfte und den Personalbereich. Denn Unterstützung kann nur dort entstehen, wo die Herausforderungen bekannt sind. Gleichzeitig schafft Offenheit mehr Verständnis dafür, warum jemand zeitweise belastet, in sich gekehrt oder weniger konzentriert ist.
 

Und spüren Sie, dass der Desideria-Vortrag sowie Ihr zugewandter und proaktiver Umgang mit den Themen Beruf, Demenz und Pflege schon etwas in Ihrem Unternehmen bewirkt hat? 

Demenz ist ein zentrales Thema, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege geht – aber längst nicht das einzige. Pflege ist vielfältig und jede Situation bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich. 

Seit ich im Personalbereich gezielt als Ansprechpartnerin für dieses Thema sichtbar bin, erlebe ich vor allem eines: Die Menschen suchen das Gespräch. Das zeigt mir: Wenn wir Offenheit signalisieren und echtes Interesse zeigen, werden diese Angebote sehr gerne angenommen. Manchmal ist das wichtigste Unterstützungsangebot, einfach zuzuhören und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
 

Was würden Sie anderen Firmen raten, die die Herausforderungen rund um Vereinbarkeit von Beruf und Pflege noch nicht auf dem Radar haben. Lohnt es sich, das Thema anzugehen?

Ich bin überzeugt: Diese Zeit ist sehr gut investiert – auch wenn es Mut braucht, sich als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner für solche Themen zu öffnen. Denn wer das tut, hört oft bewegende und auch belastende Geschichten. Gleichzeitig erlebe ich, wie viel ein offenes Gespräch bewirken kann. 

Oft bekomme ich Wochen oder Monate später Rückmeldungen von Mitarbeitenden, die sagen: Allein, dass mir jemand zugehört hat, hat mir schon geholfen. Nicht immer gibt es die perfekte Lösung. Aber ernst genommen zu werden und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, macht einen großen Unterschied. 

Wenn Arbeitgeber Interesse zeigen und Unterstützung anbieten, profitieren beide Seiten. Mitarbeitende fühlen sich gesehen und entlastet, Unternehmen stärken die Bindung und helfen dabei, Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten. Denn das Ziel ist, gemeinsam Wege zu finden, damit Beruf und Pflege auch in herausfordernden Lebensphasen vereinbar bleiben.
 

Macht es in Ihren Augen Sinn, dass man im Unternehmen einen konkreten Ansprechpartner hat, an den pflegende Angehörige sich wenden können?  

Das kann ich anhand meiner Erfahrung nur bestätigen. Viele Kolleginnen und Kollegen wissen inzwischen, dass ich Ansprechpartnerin für Betriebliches Eingliederungsmanagement, Pflegethemen und Letzte-Hilfe-Kurse bin. Dadurch kommen Menschen in unterschiedlich belastenden Situationen auf mich zu. 

Mein Eindruck ist: Es macht einen großen Unterschied, wenn es ein vertrautes Gesicht gibt. Wer weiß, an wen er sich wenden kann und bereits Vertrauen aufgebaut hat, fasst deutlich leichter den Mut, zum Telefon zu greifen oder um ein persönliches Gespräch zu bitten. Genau diese niedrigschwellige Ansprechbarkeit ist oft der erste Schritt, damit Unterstützung überhaupt möglich wird.

Gibt es noch etwas, dass Sie vielleicht noch gerne ansprechen oder berufstätigen Angehörigen und vielleicht auch Unternehmen mit auf den Weg geben möchten?

Mir ist wichtig, dass die Themen Pflege und Vereinbarkeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich kann Unternehmen nur ermutigen, mutig zu sein, Ansprechbarkeit zu schaffen und dem Thema Raum zu geben. 

Diese Investition lohnt sich auf vielen Ebenen: für die Mitarbeitenden, für die Unternehmenskultur und letztlich auch für den langfristigen Erhalt von Erfahrung, Gesundheit und Arbeitskraft.

Liebe Frau Stark, herzlichen Dank für dieses Interview!
 

 

 

Unsere Interviewpartnerin

Portraitfoto von Gabi Stark, Personalreferentin bei der Sparkasse Kraichgau

Gabi Stark

Personalreferentin bei der Sparkasse Kraichgau, Ansprechpartnerin für Mitarbeitende in Pflegesituationen

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