Roland Tennie
Langjährige Tätigkeit in verschiedenen klinischen Fachdisziplinen, unter anderem in der Kardiologie und Strahlentherapie. Fundierte Kenntnisse in Notfallmedizin durch frühere und ehrenamtliche Tätigkeit im Rettungsdienst. Langjährige Tätigkeit im Malteser-Hilfsdienst sowie langjähriges Engagement in fachlichen und berufspolitischen Zusammenhängen. Tätigkeit als Dozent und Referent für integrative und komplementärmedizinische Themen.
Ich engagiere mich für Desideria, weil Demenz nicht isoliert betrachtet werden darf. Im Mittelpunkt steht nicht nur der erkrankte Mensch, sondern immer auch sein Umfeld, insbesondere die pflegenden Angehörigen. Desideria vertritt genau diesen ganzheitlichen Blick: menschlich, fachlich fundiert und gesellschaftlich wirksam. Das entspricht meiner eigenen beruflichen Haltung und Erfahrung. Pflege bedeutet häufig jahrelanges Dasein, Mittragen und Durchhalten. Was dabei oft fehlt, ist Unterstützung für diejenigen, die pflegen. Desideria benennt diese Lücke klar, und schließt sie aktiv.
Mich bewegt vor allem das stille Leiden der pflegenden Angehörigen. Viele kümmern sich, pflegen, funktionieren – und vergessen sich dabei selbst. Aus dieser dauerhaften Überforderung entsteht häufig ein Zustand, den ich als „Pflegedemenz“ bezeichne: eine Mischung aus Erschöpfung, emotionaler Abstumpfung, kognitiver Überlastung und sozialem Rückzug. Diese Menschen geraten leicht aus dem Blick, weil sie „noch funktionieren“. Genau hier liegt das Problem. Demenz betrifft nie nur den Patienten, sie verändert ganze Familiensysteme. Wer darüber spricht, muss beide Seiten sehen.
Ich bringe langjährige Erfahrung aus Medizin, Therapie und Krisenarbeit ein sowie einen klaren Blick für die Realität pflegender Angehöriger. Mir ist es wichtig, Strukturen zu fördern, die nicht nur behandeln, sondern entlasten, auffangen und begleiten. Dazu gehört, Überforderung früh zu erkennen, verständlich darüber zu sprechen und präventiv gegenzusteuern. Ich sehe meine Rolle im Beirat darin, die Perspektive der Angehörigen konsequent mitzudenken, Begriffe zu schärfen und aufzuzeigen, dass nachhaltige Demenzarbeit ohne die Unterstützung der Pflegenden nicht möglich ist. Denn gute Pflege darf nicht darin enden, dass sich die Pflegenden selbst verlieren.
Roland Tennie
Heilpraktiker mit über 30-jähriger Berufserfahrung in der Komplementär- und Naturheilkunde. Staatsexamen in der Krankenpflege