Hören
Hören ist ein zentraler Sinn, der nicht nur für Kommunikation und soziale Teilhabe wichtig ist, sondern auch eine entscheidende Rolle für die geistige Gesundheit spielt. Ein unbehandelter Hörverlust gilt heute als wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor für die Entstehung einer Demenz.
Warum ist Hören so wichtig für das Gehirn?
Hören bedeutet weit mehr als das bloße Wahrnehmen von Geräuschen. Erst das Gehirn verarbeitet Töne, ordnet Sprache ein und verknüpft sie mit Bedeutung, Erinnerungen und Emotionen. Dieser Prozess hält das Gehirn aktiv und trainiert kognitive Fähigkeiten wie:
- Aufmerksamkeit
- Sprachverständnis
- Gedächtnis
- Problemlösefähigkeit
Fehlen diese akustischen Reize – etwa durch eine Schwerhörigkeit – muss das Gehirn deutlich mehr Energie aufwenden, um Gespräche zu verstehen. Langfristig kann diese Dauerbelastung zu geistiger Erschöpfung, Stress und einem beschleunigten kognitiven Abbau führen.
Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz
Zahlreiche Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen unbehandeltem Hörverlust und einem erhöhten Demenzrisiko. Die renommierte Lancet-Kommission stuft Schwerhörigkeit als den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor für Demenz ein. Schätzungen zufolge trägt Hörverlust zu etwa 8 % des lebenslangen Demenzrisikos bei.
Warum begünstigt Schwerhörigkeit Demenz?
Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen:
1. Kognitive Überlastung
Das Gehirn muss ständig fehlende akustische Informationen „erraten“. Diese dauerhafte Mehrarbeit geht zulasten anderer Hirnleistungen.
2. Soziale Isolation
Menschen mit Hörverlust ziehen sich häufig zurück, meiden Gespräche oder soziale Situationen. Einsamkeit wiederum gilt als eigenständiger Risikofaktor für Demenz.
3. Veränderungen im Gehirn
Studien zeigen, dass bei Hörverlust besonders der Hippocampus – wichtig für Gedächtnisbildung – und die Hirnrinde beeinträchtigt sein können. Fehlende Sinnesreize verändern langfristig die neuronale Aktivität.
Altersschwerhörigkeit – ein schleichender Prozess
Die häufigste Form des Hörverlusts ist die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis). Sie beginnt meist ab dem 50. bis 60. Lebensjahr und entwickelt sich langsam. Zunächst sind oft mittlere und hohe Frequenzen betroffen – etwa Frauen- oder Kinderstimmen. Da dieser Prozess schleichend verläuft, bleibt er lange unbemerkt. Viele Betroffene passen sich an, ohne zu merken, wie sehr Kommunikation, Teilhabe und geistige Aktivität bereits eingeschränkt sind.
Hörverlust oder Demenz? Achtung, Verwechslungsgefahr
In ärztlichen Sprechstunden zeigt sich immer wieder:
Menschen haben Angst, dement zu werden, weil sie Gespräche nicht mehr verstehen oder Inhalte falsch einordnen. Häufig liegt jedoch „nur“ eine Schwerhörigkeit vor – und diese ist in der Regel gut behandelbar.
Ein Hörtest beim HNO-Facharzt bringt hier schnell Klarheit.
Kann eine Hörversorgung das Demenzrisiko senken?
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Behandlung von Hörverlust positive Effekte auf die geistige Fitness haben kann. Hörgeräte oder – bei starkem Hörverlust – Cochlea-Implantate ermöglichen:
- bessere Sprachverarbeitung
- mehr soziale Teilhabe
- geringere kognitive Belastung
- Erhalt geistiger Leistungsfähigkeit
Wichtig ist: Je früher eine Hörversorgung erfolgt, desto besser kann sich das Gehirn an das „neue Hören“ anpassen.
Wann sollte man das Gehör überprüfen lassen?
Anzeichen für einen möglichen Hörverlust sind u. a.:
- häufiges Nachfragen
- Schwierigkeiten bei Gesprächen in lauter Umgebung
- Annäherung an Gesprächspartner, um besser zu verstehen
- Rückzug aus sozialen Situationen
Bereits bei leichten Hörproblemen gilt: nicht abwarten, sondern handeln.
Noch mehr erfahren
In unserem Beitrag zum Thema "Demenz vorbeugen" erhalten Sie viele weitere wichtige Informationen rund um das Thema Prävention. Wir beleuchten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, zeigen die wichtigsten Risikofaktoren, neben Hörverlust, auf und geben praktische Tipps für den Alltag.
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