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Erbschleicherei

Eine Demenz-Diagnose ist für die Betroffenen und ihre Familien ein tiefer Einschnitt – verbunden mit emotionalen, medizinischen und organisatorischen Herausforderungen. Ein Thema, das dabei oft ausgeklammert oder sogar tabuisiert wird, ist die finanzielle und rechtliche Integrität des Menschen mit Demenz. Denn wenn die Urteilsfähigkeit nachlässt, öffnet sich eine Schutzlücke, die ausgenutzt werden kann. 
 


Erbschleicherei: Wenn Vertrauen zum Risiko wird 


In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff „Erbschleicherei“. Wichtig zu wissen: Dieser Begriff ist juristisch nicht klar definiert und emotional stark aufgeladen. Dennoch beschreibt er eine Realität, die viele Familien mit Sorge erfüllt, nämlich die manipulative Einflussnahme von Menschen, die versuchen, die Demenzerkrankung des Angehörigen auszunutzen. Es ist wichtig, ein Bewusstsein für dieses Risiko zu schaffen und mögliche Warnsignale frühzeitig zu erkennen.


 
Wird mein Angehöriger ausgenutzt? Warnsignale für „Erbschleicherei“ erkennen

Laut der  Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) gibt es oft Warnsignale, auf die Familienmitglieder, Freunde und Bekannte achten können:  
 

  • Soziale Isolation: Eine vertraute Person bricht plötzlich den Kontakt zum gewohnten Umfeld ab oder wird aktiv von außen abgeschirmt.
  • Veränderung der Vertrauenspersonen: Plötzlich tauchen neue Personen auf, die sich auffällig in den Alltag oder die Kommunikation drängen. 
  • Finanzielle Auffälligkeiten: Es geschehen ungewöhnliche Überweisungen oder Bargeldbewegungen, die nicht zum gewohnten Lebensstil passen. 
  • Manipulierte Verfügungen: Ohne ersichtlichen Grund werden Testamente, Vollmachten oder Vorsorgeverfügungen in Anwesenheit Dritter geändert. 


Frühzeitig ansprechen: Schutz vor finanzieller Ausbeutung und Vertrauensmissbrauch 


Ein stabiles Sicherheitsnetz und frühzeitiges Handeln sind wichtige Faktoren, um die Autonomie der von Demenz betroffenen Menschen langfristig zu erhalten.

  • Rechtzeitige Vorsorge: Regeln Sie Vorsorgevollmachten und Testamente in einer Phase, in der die Tragweite von Entscheidungen noch uneingeschränkt selbst überblickt und beurteilt werden kann.
  • Das Vier-Augen-Prinzip: Setzen Sie zwei Bevollmächtigte ein. So kontrollieren diese sich gegenseitig und das Risiko für Missbrauch sinkt. 
  • Offener Austausch: Ein enges, beständiges Vertrauensverhältnis innerhalb der Familie trägt dazu bei, Manipulation und Isolation entgegenzuwirken.

Bei einem begründeten Verdacht auf einen Missbrauch von Vollmachten oder auf unlautere Einflussnahme ist es entscheidend, frühzeitig fachkundige Unterstützung zu suchen:      

  • Rechtsberatung: Spezialisierte Fachanwälte für Erbrecht können helfen, die Situation neutral zu prüfen. 
  • Betreuungsgericht: Das zuständige Betreuungsgericht ist die richtige Anlaufstelle, wenn Vollmachten missbraucht werden. 
  • Fachnetzwerke: Unterstützung bietet auch die Initiative  
    Vorsorge ohne Missbrauch“. Hier finden Betroffene eine Anlaufstelle, um sich auszutauschen und sich entschlossen gegen Machtmissbrauch zu wehren.  
    Die Initiative arbeitet mit Fachanwälten sowie Beratern aus dem Bereich Seelsorge und bietet auch eine kostenlose telefonische Anlaufstelle, an die man sich wenden kann.

Noch mehr Hilfe und Orientierung 

Vertiefende Einblicke und Gespräche zu diesem sensiblen Thema finden Sie zum Beispiel in unserem Podcast folge „Wer darf entscheiden? Rechtsfürsorge bei Demenz.“ mit dem Jurist Dr. Bertil Sander, der auch die Initiative „Vorsorge ohne Missbrauch“ begleitet hat  

Wer darf entscheiden? Rechtsfürsorge bei Demenz. Mit Dr. Bertil Sander

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