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Demenzsensible Sprache

Wie wir über Demenz sprechen, macht einen Unterschied. Worte können Bilder im Kopf entstehen lassen, Vorurteile verstärken – oder dazu beitragen, Menschen mit Demenz respektvoll und als selbstbestimmte Persönlichkeiten wahrzunehmen.

Demenzsensible Sprache stellt deshalb den Menschen und nicht die Erkrankung in den Mittelpunkt. Denn eine Demenz ist nur ein Teil eines Menschen. Persönlichkeit, Lebenserfahrung, Gefühle, Beziehungen und viele Fähigkeiten bleiben bestehen. Eine wertschätzende Sprache trägt dazu bei, Stigmatisierung zu vermeiden und Teilhabe zu ermöglichen. Im Alltag und selbst in der Pflege werden trotzdem noch oft Begriffe verwendet, die mittlerweile als veraltet bzw. unpassend gelten. Die Deutschsprachige Alzheimer- und Demenz-Organisationen (DADO) hat passend dazu einen Sprachleitfaden „Demenz“ erstellt. Hier wird nicht nur die Bedeutung der Sprache betont, sondern auch konkrete Impulse für eine demenzsensible Sprache gesetzt.

Warum Sprache bei Demenz wichtig ist

Die Begriffe, die wir verwenden, beeinflussen, wie wir über Menschen mit Demenz denken – und wie wir ihnen begegnen. Wer beispielsweise ausschließlich von Verlusten, Defiziten und Problemen spricht, vermittelt schnell das Bild eines Menschen, der kaum noch etwas kann. Dabei verläuft jede Demenzerkrankung individuell. Viele Fähigkeiten bleiben lange erhalten. Demenzsensible Sprache versucht deshalb, nicht nur Einschränkungen, sondern auch vorhandene Ressourcen wahrzunehmen. Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu beschönigen. Vielmehr geht es darum, möglichst konkret und wertfrei zu beschreiben, was ein Mensch erlebt oder wie sich eine Situation zeigt.

Typische Alltagsbegriffe und was wir stattdessen sagen könnten

Eine wichtige Grundlage demenzsensibler Sprache ist, einen Menschen nicht mit seiner Erkrankung gleichzusetzen. Statt von „Dementen“ oder einem „dementen Menschen“ zu sprechen, sind Formulierungen wie „Mensch mit Demenz“, „Person mit der Diagnose Demenz“ oder „Mensch, der mit einer Demenz lebt“ angemessener. Der Unterschied mag sprachlich klein erscheinen, verändert aber die Perspektive: Die Erkrankung wird nicht zum bestimmenden Merkmal einer Person. Der Mensch steht an erster Stelle. Auch Begriffe wie „Opfer“, „leere Hülle“ oder pauschale Aussagen darüber, dass ein Mensch „entschwindet“, sind problematisch. Sie reduzieren Menschen auf Verluste und können stigmatisierend und entwürdigend wirken. 

Herausforderndes Verhalten oder Ausdrucksverhalten?
Der Begriff „herausforderndes Verhalten“ ist in der professionellen Begleitung von Menschen mit Demenz weit verbreitet. Er beschreibt jedoch vor allem, wie das Verhalten auf das Umfeld wirkt. Für den Menschen mit Demenz selbst steckt dahinter in der Regel nicht die Absicht, andere herauszufordern. Der Begriff „Ausdrucksverhalten“ lenkt den Blick stärker auf die mögliche Botschaft hinter einem Verhalten.

Die Frage lautet dann nicht nur: „Wie können wir dieses Verhalten stoppen?“ Sondern vielmehr:

„Was könnte dieser Mensch gerade brauchen oder ausdrücken wollen?“ Dieser Perspektivwechsel kann dabei helfen, Ursachen zu erkennen und angemessener zu reagieren.

Unruhe oder Bewegungsbedürfnis?
Auch das Wort „Unruhe“ enthält bereits eine Bewertung. Ein Mensch, der häufig aufsteht, hin- und hergeht oder immer wieder den Raum verlassen möchte, erscheint aus Sicht anderer möglicherweise unruhig.

Betrachtet man die Situation als Bewegungsbedürfnis, verändert sich der Blick: Vielleicht möchte die Person aktiv sein, sucht Orientierung oder folgt einem für sie nachvollziehbaren Impuls.

Dann stellt sich nicht nur die Frage, wie die Bewegung verhindert werden kann, sondern wie man ihr möglichst sicher Raum geben kann.
Symptome konkret beschreiben
Statt Menschen mit pauschalen Begriffen zu charakterisieren, hilft es häufig, genau zu beschreiben, was tatsächlich beobachtet wird.

Anstelle von „Sie ist schwierig“ könnte es beispielsweise heißen:
„Sie lehnt die Unterstützung beim Anziehen heute ab.“

Oder statt „Er ist aggressiv“:
„Er reagiert laut und schiebt die helfende Person von sich weg.“

Eine konkrete Beschreibung lässt offen, warum sich jemand so verhält. Dadurch entsteht Raum, nach möglichen Ursachen und Bedürfnissen zu suchen. Auch der Sprachleitfaden empfiehlt, Symptome und ihre Auswirkungen möglichst konkret zu benennen.

Verhalten nicht vorschnell bewerten

Besonders wichtig ist demenzsensible Sprache, wenn sich das Verhalten eines Menschen verändert. Menschen mit Demenz können Bedürfnisse oder Empfindungen mit fortschreitender Erkrankung möglicherweise nicht mehr so ausdrücken wie früher. Unruhe, Rückzug, Rufen oder eine heftige Reaktion können beispielsweise mit Schmerzen, Angst, Überforderung, Einsamkeit oder Orientierungslosigkeit zusammenhängen. Verhalten kann damit eine Form der Kommunikation sein. Deshalb empfiehlt es sich, Begriffe wie „schwieriges“ oder „problematisches Verhalten“ zu vermeiden. Hilfreicher sind Beschreibungen wie „verändertes Verhalten“, „Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse“ oder – je nach Zusammenhang – „Ausdrucksverhalten“. 

Die Wünsche der Menschen mit Demenz respektieren

Es gibt nicht für jede Situation den einen richtigen Begriff. Menschen mit Demenz unterscheiden sich darin, welche Bezeichnungen sie für sich selbst und ihre Erkrankung passend finden.

Deshalb gilt: Wann immer es möglich ist, sollte die betreffende Person selbst gefragt werden, welche Worte sie bevorzugt. Die eigene Bezeichnung zu respektieren, ist ein wichtiger Teil von Würde und Selbstbestimmung. 
Demenzsensible Sprache verändert den Blick
Demenzsensible Sprache bedeutet nicht, schwierige Situationen zu verschweigen oder eine Erkrankung schönzureden. Sie lädt vielmehr dazu ein, genauer hinzusehen und Menschen nicht vorschnell auf Symptome oder Verhaltensweisen zu reduzieren.

Manchmal genügt schon eine kleine Veränderung der Worte, um eine andere Frage zu stellen: nicht nur „Was ist mit diesem Menschen los?“, sondern auch „Was erlebt dieser Mensch gerade – und was könnte ihm helfen?“

Genau darin liegt die Bedeutung demenzsensibler Sprache: Sie kann dazu beitragen, Menschen mit Demenz respektvoller zu begegnen und ihre Perspektive stärker wahrzunehmen.

Quelle: Deutschsprachige Alzheimer- und Demenz-Organisationen (DADO) Sprachleitfaden „Demenz“

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