Kultur, Musik, Bewegung: Demenzsensible Angebote für die ganze Familie
Ein Konzert besuchen, gemeinsam Kunst entdecken oder sich bewegen: Auch mit Demenz bleiben kulturelle Erlebnisse, Aktivität und Begegnung ein wichtiger Teil des Lebens. Immer mehr Einrichtungen entwickeln Angebote, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eingehen.
Dabei geht es nicht darum, etwas leisten oder sich an alles erinnern zu müssen. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Momente, Sinneseindrücke, Gespräche und gesellschaftliche Teilhabe. Entdecken Sie gemeinsam mit uns Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten, kulturelle Erlebnisse und neue Impulse.
Noten und Neuronen: Wenn Musik auf Gehirnforschung trifft
Wie wirkt Musik auf unser Gehirn? Und kann sie dazu beitragen, die Gehirngesundheit zu stärken? Genau diesen Fragen widmet sich die Konzertreihe „Noten und Neuronen – Musik für die Gehirngesundheit“.
Die deutschlandweite Reihe verbindet noch bis Ende 2026 Live-Musik mit verständlichen Einblicken in Medizin und Neurowissenschaft. Bei den Konzerten kommen Musiker, Mediziner und Neurowissenschaftler zusammen. Das Publikum erlebt nicht nur Musik, sondern kann Forschung unmittelbar kennenlernen.
Besonders interessant für alle aus München:
Am 8. November 2026 um 11 Uhr kommt „Noten und Neuronen“ ins Bergson Kunstkraftwerk. Mit dabei sind Bariton Konstantin Krimmel, Harfenistin Magdalena Hoffmann und ein Streichquartett mit Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Alle Termine finden Sie auf der offiziellen Webseite.
„Bilder machen Leute“ im Jüdischen Museum Berlin
Mit dem Format „Bilder machen Leute“ bietet das Jüdische Museum Berlin besondere Museumsbesuche für Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen an.
Der Nachmittag beginnt in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Challa. Anschließend werden gemeinsam ausgewählte Gemälde betrachtet. Gegenstände zum Anfassen, Musik und Gespräche eröffnen unterschiedliche Zugänge zu den Kunstwerken.
Kunsthistorisches Wissen ist dabei nicht gefragt. Entscheidend ist das gemeinsame Erleben: Was fällt auf? Welche Erinnerungen entstehen? Welche Gedanken und Gefühle weckt ein Bild?
Weitere Informationen zu den demenzsensiblen Führungen sowie zu den nächsten Terminen finden Sie auf der Website des Jüdischen Museums Berlin.
„KUNST-Brücke“ in Landshut
Kulturelle Teilhabe ermöglichen und gemeinsam schöne Momente erleben – das ist das Ziel der Veranstaltungsreihe „KUNST-Brücke“ der Museen der Stadt Landshut gemeinsam mit den Maltesern und dem Pflegestützpunkt Region Landshut.
Eine Museumspädagogin wählt einzelne Exponate aus und kommt mit den Teilnehmenden darüber ins Gespräch. Dabei stehen Wahrnehmen, Staunen und Entdecken im Mittelpunkt. Das Angebot ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz abgestimmt.
Auch Menschen mit Demenz, die ohne Angehörige teilnehmen möchten, können teilweise von ehrenamtlichen Helfern der Malteser begleitet werden.
Weitere Informationen zu den demenzsensiblen Führungen sowie zu den nächsten Terminen finden Sie hier.
Unser Tipp für München und Umgebung:
Vom 6. November bis 6. Dezember 2026 ist unsere Fotoausstellung „Demenz neu sehen“ bei der Stiftung Katholisches Familien- und Altenpflegewerk zu sehen – mit Fotografien und persönlichen Geschichten, die Menschen mit Demenz jenseits von Krankheit und Defiziten zeigen.
Auch Bewegung bedeutet gesellschaftliche Teilhabe
Auch Sport und Bewegung bieten Menschen mit Demenz viele Möglichkeiten, aktiv zu bleiben und Gemeinschaft zu erleben. Bewegung kann dazu beitragen, Beweglichkeit, Kraft und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Für die Angehörigen können solche gemeinsamen Aktivitäten ebenfalls wohltuend sein. Für eine Weile stehen nicht Pflege, Organisation oder Krankheit im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erlebnis.
Demenzsensible Sportangebote werden häufig von lokalen Sportvereinen sowie von Pflege- und Wohlfahrtsverbänden angeboten. Daher lohnt es sich oft, direkt bei den lokalen Anbietern vor Ort nachzufragen. Wir haben einige Beispiele für solche Angebote für Sie aufgelistet.
Tanzen ist für alle da: Entdecken Sie Neurotango
Bei diesem speziellen Konzept werden einzelne Elemente des Tangos ganz bewusst genutzt, um bestimmte Fähigkeiten zu trainieren: etwa Gleichgewicht, Koordination, Aufmerksamkeit, Orientierung. Auch Musik und Rhythmus werden gezielt eingesetzt, um das
Wir nutzen einzelne Elemente des Tangos ganz bewusst, um bestimmte Fähigkeiten zu trainieren. Dazu gehören vor allem Gleichgewicht, Koordination, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen, Orientierung und Bewegungsplanung. Es geht bei Neurotango® also nicht darum, eine bestimmte Schrittfolge möglichst perfekt zu tanzen. Entscheidend ist, was durch die Bewegung angeregt und trainiert wird.
Weitere Informationen zum Thema Neurotango® erfahren Sie im Desideria-Interview mit der Tanzpädagogin Brigitte Reuter. Eine Liste mit zertifizierten Trainern in Ihrer Nähe gibt es hier.
„Sport und Bewegung trotz(t) Demenz“
Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Sport und Bewegung trotz(t) Demenz“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern. Ziel ist es, Menschen mit Demenz unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten Möglichkeiten zu eröffnen, körperlich aktiv zu bleiben und Selbstbestimmung zu erleben.
Wie vielfältig diese aussehen können, zeigt beispielsweise „Klettern trotz(t) Demenz“ im Raum Nürnberg und Fürth. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Klettern kann vertraute Bewegungsmuster aufgreifen und unter anderem Balance, Koordination, Körperwahrnehmung und Selbstvertrauen ansprechen. Das Angebot richtet sich auch an Menschen in späteren Phasen einer Demenzerkrankung.
Eine Übersicht über regionale Angebote von „Sport und Bewegung trotz(t) Demenz“ stellt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern online zur Verfügung.
Entscheidend ist, was weiterhin möglich ist
Eine Demenzerkrankung verändert vieles. Sie nimmt einem Menschen aber nicht das Bedürfnis nach Begegnung, Freude, Musik, Kunst oder Bewegung.
Vielleicht wird aus einer langen Wanderung irgendwann ein kürzerer Spaziergang. Aus dem regelmäßigen Museumsbesuch wird eine demenzsensible Führung. Oder Musik eröffnet einen Zugang, wenn Worte schwieriger werden.
Entscheidend ist nicht, was ein Mensch nicht mehr kann. Viel wichtiger ist die Frage: Was macht weiterhin Freude? Was verbindet? Was ist möglich?
Kultur- und Bewegungsangebote können dafür wertvolle Räume schaffen. Sie ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe und schenken Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen gemeinsame Zeit, in der nicht die Erkrankung, sondern das Erleben im Mittelpunkt steht.
Stand der Termine: 27. Oktober 2026. Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch beim jeweiligen Veranstalter, da Termine und Verfügbarkeiten kurzfristig geändert werden können.