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Newsbeitrag

Demenz und Beruf vereinbaren: Unterstützung für pflegende Angehörige in Unternehmen

08.01.2026

Pflege und Beruf zu vereinbaren, bringt viele Angehörige an ihre Grenzen. Desideria Care e. V. und famPlus bieten konkrete Unterstützung und machen sich gemeinsam stark für demenzsensible Unternehmen.

Pflege und Beruf vereinbaren – eine stille Herausforderung im Arbeitsalltag

Einen Angehörigen mit Demenz zu begleiten und pflegen - das ist eine große Aufgabe und häufig auch eine Last, gerade wenn pflegende Angehörige dies mit ihrem Job vereinbaren müssen. Rund zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind berufstätig, wie der WIdO-Monitor 2024 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigte. Unter den Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter ist fast jeder Zweite in Vollzeit berufstätig. "Das Thema Pflege beschäftigt viele Berufstätige", sagt Johannes Winklmair, Leiter der Pflegeberatung bei famPlus. "Besonders zugenommen hat der Beratungs- und Unterstützungsbedarf beim Thema Demenz. Wir merken, dass die Angehörigen damit überfordert und allein gelassen sind." 1,8 Millionen Menschen leben mit der Diagnose Demenz in Deutschland. Sie werden vor allem von ihren Angehörigen betreut und gepflegt.

Desideria und famPlus – gemeinsam für mehr Vereinbarkeit von Demenz und Beruf

Die Kooperation von famPlus mit dem Verein Desideria soll berufstätige pflegende Angehörige besser unterstützen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und der Pflege von an Demenz erkrankten Angehörigen zu stärken - ein Thema, das viele pflegende Angehörige betrifft und dennoch häufig tabuisiert bleibt. "Demenz hält sich nicht an Arbeitszeiten. Wir brauchen individuelle und flexible Lösungen, damit pflegende Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nicht ständig mit diesem Gewissenskonflikt und Leistungsdruck kämpfen müssen", sagt Anja Kälin, Familientherapeutin und zweite Vorstandsvorsitzende bei Desideria. Untersuchungen zeigen auch: Mit steigendem Pflegebedarf reduzieren Angehörige ihre Berufstätigkeit.

Konkrete Angebote für Unternehmen und Mitarbeitende im Umgang mit Demenz

Im Rahmen der Kooperation entwickeln die beiden Partner ein umfassendes Angebot aus Fachvorträgen, Coachings, Workshops und individueller Beratung. "Ein besonderer Fokus liegt auf der psychischen Unterstützung und Selbstfürsorge", sagt Johannes Winklmair. Der Verein Desideria kann auf ein Netz aus Familien-Coaches zurückgreifen, die therapeutisch und zum Thema Demenz ausgebildet sind und zudem häufig eigene Erfahrungen als Angehörige gemacht haben.

Die Maßnahmen richten sich sowohl an Unternehmen als auch an Mitarbeitende, die im privaten Umfeld mit Demenz konfrontiert sind. Sie vermitteln praxisnahes Wissen, stärken Handlungskompetenzen und schaffen Raum für Austausch und Entlastung.

Demenzsensible Unternehmen schaffen Sicherheit und Orientierung

Ein gemeinsamer Schwerpunkt ist es, Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen auf das Thema Demenz aufmerksam zu machen. "Wir brauchen mehr demenzsensible Unternehmen", fordert Anja Kälin. Desideria und famPlus möchten Verantwortliche aus HR, Gesundheitsmanagement und Führungskräfte in die Lage versetzen, betroffene Mitarbeitende frühzeitig zu erkennen, diese effektiv zu unterstützen und passende betriebliche Strukturen aufzubauen. "Pflegende Angehörige leisten jeden Tag Enormes - und viele tun dies zusätzlich zu einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung. Mit unserer Partnerschaft sorgen wir dafür, dass sie die Unterstützung erhalten, die sie benötigen", betont Johannes Winklmair.

Offen über Demenz sprechen – eine Chance für Mitarbeitende und Teams

Anja Kälin rät Angehörigen: "Sprechen Sie offen über die Demenz Ihres Angehörigen und die Pflegesituation. Fangen Sie frühzeitig an, sich darüber Gedanken zu machen, welche Unterstützung Sie leisten können und wollen - und beziehen Sie auch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin ein. "Wem man sich im Unternehmen anvertraue, hänge auch von der Kultur und den Angeboten des Arbeitgebers ab", so Kälin "Das kann beispielsweise die Führungskraft, die Personalabteilung, der Betriebstrat oder das betriebliche Gesundheitsmanagement sein. In manchen Firmen gibt es Pflegelotsen, die Mitarbeitende in solchen Situationen beraten", sagt die Familientherapeutin. Sie weiß um die Sorge, sich zu öffnen und plädiert dennoch dafür. Anja Kälin sagt: "In dem Moment, in dem man es anspricht, kommen vielleicht auch andere Kollegen, die sagen, Mensch, mir geht es genauso wie dir."

Ein gemeinsames Zeichen gegen Tabu und Stigma

Die Zusammenarbeit von Desideria und famPlus setzt ein deutliches Zeichen: Demenz geht uns alle an - und Unternehmen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Betroffene zu entlasten, Verständnis zu schaffen und echte Vereinbarkeit zu ermöglichen.


Über famPlus GmbH


Das Sozialunternehmen famPlus bietet Berufstätigen bundesweit Beratung zu den Themen Kinder und Familie, Pflege und Vorsorge sowie psychosoziale Gesundheit. Als Kooperationspartner von Unternehmen unterstützt famPlus deren Mitarbeitende individuell, vertraulich und niedrigschwellig - von der Erstberatung bis zur Vermittlung passender Entlastungsangebote. Damit trägt das Unternehmen aktiv dazu bei, die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu stärken. "Betriebliche Familienpolitik lohnt sich nachweislich und der Nutzen ist nicht nur "gefühlt", sondern auch in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen messbar", sagt Geschäftsführer Dr. Markus Solf.

Über Desideria Care

Der Verein Desideria unterstützt und stärkt Angehörige von Menschen mit Demenz durch verschiedene psychosoziale Angebote. Dazu zählen Angehörigengruppen, Workshops, Veranstaltungen, aber auch Einzel-Coachings oder Familien-Mediation. Die Angebote finden digital oder vor Ort statt. Ziel ist es, Angehörige zu entlasten und ihnen Strategien an die Hand zu geben, um diese herausfordernde Lebensphase in der Begleitung eines Angehörigen mit Demenz gut zu meistern und dabei selbst gesund zu bleiben. Der Verein wurde von Desirée von Bohlen und Halbach gegründet. Sie setzt sich dafür ein, die Leistungen der Angehörigen anzuerkennen und wertzuschätzen. Sie Sagt: "Demenz darf kein Stigma und Tabu mehr sein!"

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