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Pflegelotse

Viele berufstätige Angehörige von Menschen mit Demenz organisieren Termine, sprechen mit Ärztinnen und Ärzten, kümmern sich um Pflege, Anträge, Betreuung. Und funktionieren nebenbei weiter im Job. Pflegelotsen können in dieser Situation entlasten: als feste Ansprechpersonen, die mit Ihnen sortieren, was jetzt wichtig ist – und welche nächsten Schritte wirklich helfen. 

Was ist ein Pflegelotse? 

Ein Pflegelotse (auch: Pflegeberatung im Betrieb, Care Management) ist eine Person, die Beschäftigten als Ansprechpartner rund um die Themen Pflege und Betreuung zur Verfügung steht. Manche Unternehmen haben dafür interne Ansprechpersonen, andere arbeiten mit externen Beratungsstellen zusammen. Der Vorteil: Sie bekommen schneller Orientierung – und müssen nicht allein herausfinden, welche Leistungen, Angebote und nächsten Schritte zu Ihrer Situation passen. 

Warum ist das bei Demenz besonders hilfreich? 

  • Demenz verändert sich mit der Zeit. Fragen tauchen immer wieder neu auf: Was braucht es jetzt? Was wird als Nächstes wichtig? 
  • Viele Herausforderungen tauchen gleichzeitig auf: Diagnose und Arzttermine, Pflegegrad, Entlastung, rechtliche Fragen (Vollmacht/Betreuung), Wohnen.
  • Alles wird neben dem Job erledigt: Telefonzeiten, Formulare und Termine lassen sich schwer mit Arbeit vereinbaren. 
  • Hohe emotionale Belastung: Unsicherheit, Schuldgefühle oder Konflikte in der Familie sind häufig – Klarheit kann spürbar entlasten. 

Grenzen von Pflegelotsen

Die Informationen und die Angebote, die Pflegelotsen in Unternehmen oft anbieten oder vermitteln, drehen sich meist vor allem um Leistungen, Anträge und Organisation (z. B. zur Pflegezeit oder zur Vermittlung von passenden Ansprechpartnern). Was dabei manchmal zu kurz kommt, ist die psychosoziale Seite: Wie halte ich das alles aus? Wie spreche ich über schwierige Themen, ohne zu eskalieren? Wie bleibe ich als Angehörige*r handlungsfähig – und achte auf mich selbst? Gerade bei Demenz ist das zentral. Unsere Desideria-Angebote sind dafür da, Sie fachlich und emotional zu stärken. So, dass Sie wieder mehr Sicherheit gewinnen – auch wenn Sie berufstätig sind und nur ein kleines Zeitfenster haben. Viele Angehörige erleben es als entlastend, beides zu verbinden: Pflegelotsen für Struktur und Systemwissen im beruflichen Umfeld – und psychosoziale Entlastung, etwa durch Seminare, Workshops, Coachings. Entdecken Sie unsere Unterstützungsangebote für pflegende Mitarbeitende:

Unsere Angebote für berufstätige Angehörige

 

Was Pflegelotsen konkret für Sie tun können

  • Erst-Orientierung: Was ist gerade dringend, was kann warten? Welche Optionen passen zu Ihrer Situation? 
  • Interne Informationen zur Vereinbarkeit: Hinweise zu internen Regelungen, Arbeitszeitlösungen und nächsten Schritten im Unternehmen. 
  • Lotse durch das System: Pflegekasse, Pflegezeit, Leistungen, Fristen, Unterlagen – mit klaren nächsten To-dos. 
  • Entlastung finden: z. B. Tagespflege, Betreuungsangebote, ambulante Dienste, Kurzzeitpflege, Angehörigengruppen. 
  • Plan B für Krisen: Was tun, wenn Betreuung kurzfristig ausfällt oder sich der Zustand verändert. 

Fazit: Das leisten Pflegelotsen 

Pflegelotsen ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Sie können aber helfen, passende medizinische und pflegerische Anlaufstellen zu finden und die nächsten Schritte zu strukturieren. Fragen Sie im Erstkontakt, wie die Vertraulichkeit geregelt ist (z. B. ob Inhalte anonym bleiben und wer im Unternehmen Informationen erhält). Das ist besonders wichtig, wenn Sie Sorgen wegen Stigmatisierung oder Karriere-Nachteilen haben. Fazit: Ein Pflegelotse kann Zeit und Kraft sparen – gerade dann, wenn Demenz neu ist oder sich die Situation verändert. Sie müssen nicht alles allein herausfinden. Wenn Ihr Unternehmen Pflegelotsen anbietet, nehmen Sie das Angebot möglichst früh in Anspruch. Und wenn nicht: Fragen Sie aktiv danach – oft gibt es externe Beratung, von der viele Beschäftigte nur noch nichts wissen. Und denken Sie auch an die psychosoziale Entlastung, zum Beispiel durch Beratung oder Angehörigenseminare. Denn neben Organisation und Anträgen brauchen viele Familien vor allem eines: einen besseren, tragfähigen Umgang mit der Situation im Alltag.

Die häufigsten Fragen zum Thema Pflegelotsen in Unternehmen

  • Wo finde ich einen Pflegelotsen? Fragen Sie in Ihrem Unternehmen (z. B. Personal/HR, Sozialberatung, Betriebliches Gesundheitsmanagement) nach „Pflegelotse“, „Pflegeberatung im Betrieb“ oder „EAP/Sozialberatung“. Manche Angebote laufen über externe Partner.
  • Was kostet das? Das ist unterschiedlich. Häufig übernimmt das Unternehmen die Kosten ganz oder teilweise. Klären Sie im Erstkontakt kurz, ob und welche Kosten entstehen.
  • Ist die Beratung vertraulich? In der Regel ja – aber die genaue Regelung hängt vom Angebot ab. Fragen Sie nach: Werden Inhalte anonymisiert? Erfährt die Führungskraft etwas? Welche Daten werden dokumentiert?
  • Wobei kann ein Pflegelotse unterstützen? Typisch sind Orientierung im Hilfesystem, Hinweise zu Leistungen und Fristen, Entlastungsangebote, Vorbereitung von Gesprächen und ein Plan für akute Krisen.
  • Kann ich mich schon melden, wenn es (noch) keinen Pflegegrad gibt? Ja. Gerade am Anfang hilft es, früh zu sortieren: Was beobachten wir? Welche Unterstützung ist sinnvoll? Welche Schritte sind realistisch? Warten Sie nicht, bis alles „akut genug“ ist.
  • Was ist der Unterschied zur Pflegeberatung der Pflegekasse? Pflegekassenberatung ist oft stärker auf Leistungen und formale Schritte ausgerichtet. Ein Pflegelotse im Unternehmen kann zusätzlich helfen, das Ganze in Ihren Arbeitsalltag zu übersetzen. Und: Bei Demenz brauchen viele Angehörige neben Organisation auch psychosoziale Unterstützung – z. B. durch Beratung und Angehörigenseminare, in denen es um Entlastung, Kommunikation und den Umgang im Alltag geht.

Weitere Fragezeichen im Kopf?

Sie fragen sich, wie man im Job mit einer Demenz-Diagnose offen und gut umgehen kann? In unseren kostenfreien Angehörigenseminaren bekommen Sie fundiertes Wissen, praktische Tipps und Raum für Austausch mit anderen Betroffenen. Ob Pflege, Kommunikation oder emotionale Entlastung: wir begleiten Sie einfühlsam, verständlich und auf Augenhöhe.

Angehörigenseminare

Die kostenfreien Seminare vermitteln Wissen, bieten Raum zum Austausch und geben Sicherheit im Umgang mit dem an Demenz erkrankten Familienmitglied.

Zum Angebot

Weitere Informationen rund um das Thema Vereinbarkeit gibt es in unserem Podcast Leben. Lieben. Pflegen.

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