Direkt zum Inhalt
Paar tanz gemeinsam Tango
Newsbeitrag

Neurotango verbindet Bewegung, Denken und Begegnung

07.09.2026

Beim Outdoorsportfestival am 27. September können Besucherinnen und Besucher Neurotango direkt bei der Desideria Openair-Fotoausstellung „Demenz neu sehen“ im Olympiapark in München ausprobieren. Im Interview erklärt Brigitte Reuter, was hinter der Methode steckt.

Frau Reuter, Neurotango klingt erst einmal nach Tangotanzen. Was genau verbirgt sich dahinter – und was unterscheidet Neurotango vom klassischen Tango?

Kurz gesagt: Tango ist die Methode – Neurotango ist die gezielte neurotherapeutische Anwendung von Tango.

Wir nutzen einzelne Elemente des Tangos ganz bewusst, um bestimmte Fähigkeiten zu trainieren. Dazu gehören vor allem Gleichgewicht, Koordination, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen, Orientierung und Bewegungsplanung. Auch Musik und Rhythmus setzen wir gezielt als „Werkzeuge“ für das Nervensystem ein.

Dazu kommen typische Elemente des Tangos wie Partnerkontakt, Gewichtsverlagerung, Führen und Folgen oder Improvisation. Es geht bei Neurotango also nicht darum, eine bestimmte Schrittfolge möglichst perfekt zu tanzen. Entscheidend ist, was durch die Bewegung angeregt und trainiert wird.

Was passiert dabei mit Körper und Kopf?

Eine ganze Menge gleichzeitig. Der Körper ist in Bewegung: Wir verlagern das Gewicht, machen Schritte und Richtungswechsel und trainieren dadurch Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination.

Gleichzeitig muss das Gehirn unterschiedliche Informationen verarbeiten: Musik und Rhythmus wahrnehmen, die eigene Bewegung planen, auf einen Partner reagieren und sich im Raum orientieren. Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit sind also ständig gefragt.

Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers spielt eine wichtige Rolle: Wo stehe ich? Wo liegt mein Gewicht? Wie verlagere ich es sicher? Musik und Rhythmus können dabei Orientierung und Struktur geben.

Und dann kommt etwas hinzu, das für mich mindestens genauso wichtig ist: die Begegnung mit anderen Menschen. Blickkontakt, Führen und Folgen, gemeinsam auf Musik reagieren – all das schafft Kommunikation. Und natürlich darf es Freude machen. Musik, Bewegung und kleine Erfolgserlebnisse können motivieren und Lust darauf machen, sich weiter zu bewegen.

Brigitte Reuter ist Neurotango®-Therapeutin, klinische Tanztherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und systemischer Coach. Nach vielen Jahren als Coach und Trainerin in einem DAX-Unternehmen machte sie ihre Leidenschaft für Tango zum Beruf und spezialisierte sich auf Tanztherapie bei neurologischen Erkrankungen. Sie arbeitete unter anderem im Alzheimer Therapiezentrum der Schön Klinik in Bad Aibling und leitet heute Neurotango®-Gruppen in München und Karlsfeld sowie im Betreuten Wohnen der Caritas.

Warum eignet sich Neurotango gerade auch für ältere Menschen oder Menschen mit neurologischen Einschränkungen?

Weil sich die Übungen sehr gut an die individuellen Möglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer anpassen lassen. Man muss weder Tango tanzen können noch besonders sportlich sein. Offenheit und Neugier reichen völlig aus.

Die Übungen können im Stehen, mit Unterstützung oder auch im Sitzen durchgeführt werden. Es geht nicht um große oder schnelle Schritte, sondern um Bewegung, Wahrnehmung und geistige Aktivierung. Körper und Gehirn werden gleichzeitig angesprochen – und das Ganze findet in einer Gruppe statt. Damit verbindet Neurotango körperliches und geistiges Training mit sozialer Begegnung.

Besonders interessant ist die Arbeit beispielsweise bei Parkinson, weil die Erkrankung Gang, Gleichgewicht und Bewegungsplanung beeinträchtigen kann. Übungen mit Rhythmus, Gewichtsverlagerungen und Richtungswechseln setzen genau an diesen Bereichen an.

Muss man also nicht fit und gut zu Fuß sein, um mitzumachen?

Überhaupt nicht. In meinen Gruppen im Betreuten Wohnen sind zum Beispiel auch Teilnehmerinnen mit Rollator oder Wanderstöcken dabei. Ich passe die Übungen immer an die jeweilige Gruppe und ihre Möglichkeiten an.

Ein gutes Beispiel ist das Rückwärtsgehen. Das üben wir gezielt, weil dabei Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit besonders gefordert sind. Einige Teilnehmerinnen konnten anfangs kaum einen Schritt nach hinten machen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Nach regelmäßigem Training funktioniert das heute bei vielen sehr viel besser.

Genau darum geht es mir bei Neurotango: nicht darum, wie schön jemand Tango tanzt, sondern darum, Menschen entsprechend ihrer Möglichkeiten in Bewegung zu bringen.

Neugierig geworden? Neurotango® beim Outdoorsportfestival ausprobieren

Bewegung bei Demenz: Desideria beim Outdoorsportfestival

27.09.2026 | 13:30 - 16:30
Willi-Daume-Platz, München 80809
Beim Outdoorsportfestival am 27. September können Besucherinnen und Besucher Neurotango und weitere Sportangebote direkt bei der Desideria Openair-Fotoausstellung „Demenz neu sehen“ am Willi-Daume-Platz im Olympiapark in München ausprobieren.

Der Desideria Newsletter

Mit unserem Desideria Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden und erhalten Neuigkeiten zu unseren Unterstützungsangeboten, Aktionen in der Öffentlichkeit und Veranstaltungen.

Hier zum Newsletter anmelden