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Frau Peggy Elfmann

„Wer sich aus der Ferne kümmert, braucht ein gutes Netzwerk vor Ort“

Peggy Elfmann wohnt mit ihren Kindern in München und arbeitet dort als Journalistin. Peggys Mutter Kerstin bekam vor zwölf Jahren die Diagnose Alzheimer. Peggy begleitet sie bis zu ihrem Tod. Eine Herausforderung in dieser Zeit ist die große Distanz. Ihre Mutter lebte 350 Kilometer von ihr entfernt.

Unsere Herausforderung

Die Eltern machen früh klar, dass sie nicht erwarten und möchten, dass die Tochter ihretwegen umzieht. „Doch mit der Zeit brauchte Mama – und auch Papa – mehr Unterstützung. Es ging um praktische Hilfe im Alltag, Rat bei Entscheidungen oder einfach da sein und miteinander sprechen“, erzählt Peggy. Sie versucht so oft es geht, vor Ort zu sein, aber ist im Alltag häufig nicht da. Dafür müsse man Lösungen finden, so Peggy: „Man kann viel helfen, aber kann nicht alles alleine machen. Wer sich aus der Ferne kümmert, braucht ein gutes Netzwerk vor Ort.“

Das haben wir gemacht

„Mein Bruder und ich fahren relativ häufig zu meinen Eltern, um vor Ort zu helfen. Wir nutzen dazu Urlaubstage oder Homeoffice. Das erleichtert vieles und so können wir zum Beispiel bei wichtigen Arztterminen begleiten. Im Alltag können wir allerdings wenig anpacken und Papa kaum Auszeiten vom Pflegen ermöglichen, weil wir meist nicht da sind. Wir haben nach und nach ein Netzwerk aufgebaut, um Papa mehr Unterstützung zu geben. Die erste Maßnahme war die Tagespflege, in die Mama zwei Tage pro Woche geht. Dies hat Mama Abwechslung und Förderung gegeben und Papa Freiraum für sich. Mittlerweile kommt auch ein ambulanter Pflegedienst regelmäßig nach Hause, wir haben einen Fahrdienst für die Tagespflege, eine Hilfe für Garten und Haushalt sowie die Fußpflege, die Hausbesuche macht. Wenn man die Dinge nicht selbst machen kann, dann braucht es solche Helfer – und die kann man gut aus der Ferne recherchieren und organisieren.“  

Was ich gelernt habe

„Lange hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Eltern gerne mehr helfen wollte – und das im Alltag nicht geschafft habe. Ich weiß, wie sehr sich Mama freut, wenn ich da bin und dass es meinem Papa schon hilft, wenn er mal eine kleine Pause vom Pflegen und jemandem zum Reden hat. Ich habe mich zerrissen gefühlt, dazu die Schuldgefühle. Viele Gespräche mit Freundinnen haben mir geholfen anzuerkennen, was ich alles leiste. Ich bin nicht täglich da, aber ich tue mein Bestes. Kümmern aus der Ferne ist ein Kompromiss und man muss Abstriche von seinem Idealbild machen. Aber es ist wichtig, zu sehen und wertzuschätzen, was man alles leistet und dass man auch aus der Ferne eine wichtige Unterstützung leistet. Ich nehme mir bewusst Zeiten für meine Mama, verbringe Zeit mit ihr, unterstütze aus der Ferne und achte dabei auch auf mich. Pflegen aus der Ferne ist ein Kompromiss: Man kann viel helfen, aber kann nicht alles alleine machen. Damit die Angehörigen gut versorgt sind, braucht es ein Netzwerk. Man muss viel kommunizieren und sich regelmäßig austauschen.“

Das sollte sich ändern

„Es gibt etliche Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, aber man muss sie sich mühsam zusammen suchen und häufig viel Eigeninitiative aufbringen, um sie zu nutzen. Dabei fällt es doch sowieso schon schwer genug, externe Hilfe zu nutzen, weil es sich immer ein wenig wie Versagen anfühlt. Dazu kommt, dass es in vielen Regionen an Angeboten mangelt. Dort gibt es nicht genug Plätze für Kurzzeitpflege oder Tagespflege oder Helferdienste. Ich wünsche mir, dass die Politik umsetzbare Lösungen für mehr Unterstützung für die häusliche Pflege findet – und wir wirklich so etwas wie eine sorgende Gemeinschaft werden.“

Peggy Elfmann

Als ihre Mutter die Diagnose Alzheimer erhielt, stand für Peggy Elfmann fest, dass sie für sie da sein und sie unterstützen möchte. Über zwölf Jahre begleitet Peggy ihre Mutter bis zu ihrem Tod. Ihre Herausforderung in dieser Zeit ist besonders die große Distanz. Gut 350 Kilometer trennen Mutter und Tochter im Alltag. Zu Beginn ist das kein Problem, weil die Mutter nicht allein ist, sondern sich der Vater liebevoll kümmert. Die Eltern machen früh klar, dass sie nicht erwarten und möchten, dass die Tochter ihretwegen umzieht. „Doch mit der Zeit brauchte Mama – und auch Papa – mehr Unterstützung. Es ging um praktische Hilfe im Alltag, Rat bei Entscheidungen oder einfach da sein und miteinander sprechen“, erzählt Peggy. Sie versucht so oft es geht, vor Ort zu sein, aber ist im Alltag häufig nicht da. Dafür müsse man Lösungen finden, so Peggy: „Man kann viel helfen, aber kann nicht alles allein machen. Wer sich aus der Ferne kümmert, braucht ein gutes Netzwerk vor Ort."

 

Zu Peggys Blog

Fotohinweis:© New-Media-Design.info 
Wir danken für die freundliche Unterstützung von Fotograf Marc Schneider, New-Media-Design, für die Produktion aller Fotos für die Mutmachgeschichten.
 

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